Unterbarmen

Und noch die Geschichte auf Hochdeutsch

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Weihnachtsgeschichte, nach'm Lukas

Es begab sich zu der Zeit als August, der Kanzler, nicht mehr wusste, wie viele Einwohner denn nun wirklich im Staate waren. Die Bürger sollten in ihre Heimatstädte reisen und abgezählt werden, wenn es nicht ging, sollten se über denn Daumen geschätzt werden, so dass die Statistik stimme.

Es war das erste Mal, als in NRW noch nicht Krafft Amtes walten ließ. Alle Leute hatten sowieso nichts anders zu tun und machten sich im späten Dezember auf den Weg zum Einwohnermeldeamt in ihrer Geburtsstadt.

Auch Jo, der Schreiner aus Schwelm. Er wohnte und arbeitet auf'm Ölberch, über seiner alternativen Holzwerkstatt. Er machte sich nun auf den Weg mit seiner Mary, die zu der Zeit hoch schwanger war. Sie mussten zur Verwaltung nach Schwelm und hatten daher auch jetzt nicht so die Bedenken, Kreishaus das passt ja. Da zu später Stunde kaum noch Busse fuhren, liefen sie von Oberbarmen aus zu Fuß auf der B7.

Als sie gerade durch die Fleute in die Graslake schritten, bekam Mary starke Wehen, schon alle 3 Minuten, ein untrügliches Zeichen dass es bald geschehen solle.

Da sie kaum Geld dabei hatten, die AOK-Gesundheitskarte zuhause lag, kein Krankenhaus oder Hotel in der Nähe - sie waren ja schliesslich im Gewerbegebiet – versteckten sie sich in einer alten Garage, die irgendwelche Schrauber nutzen. Dreckig und kalt war es, überall lagen Teile von kaputten Autos, auch eine alte Florett (3-Gang) stand da und ein 68 Käfer, ohne Räder, auf Steinen aufgebockt.

Mary krümmt sich am Boden, die Fruchtblase platzte mit großem Schwall. Auf den alten Sitzen des Käfers gebar Mary ihr Kind, sie nahm ein paar alte Putzlappen zur Hand und wickelte den Jungen darin notdürftig ein.

In dieser Nacht waren auch Leute vom Werkschutz, unweit, in der Fleute unterwegs, sie hatten den Fuhrpark der EDE zu bewachen und trieben sich auf dem großen Parkplatz gelangweilt herum.
Mit dem Lichtkegel seiner Maglite irrte eine dunkle Gestalt zwischen den Trucks herum. Lautlos, fast schwebend, suchte er in dieser dunklen Nacht, in der Hoffnung den Werkschutz zu finden. Beim Rauchen erwischt, schreckten die Wachmänner zusammen. Der Cheffahrer drehte den Lichtkegel zum Boden und beruhigte die verschreckten Frührentner: „Keine Angst, es ist alles o.K., ich wollte euch nur rasch mitteilen, dass heute etwas Unglaubliches passiert ist, hier in der Nähe ist der Sohn vom Chef geboren worden. Macht euch auf die Suche!“

„Damit ihr ihn finden könnt, er liegt auf dem Sitz eines alten 34 PS Käfers, in einer abgewrackten Garage, ohne Pampers oder Babywäsche. Über dem Tor brennt eine 36 Watt Leuchtstoffröhre.“

Wie aus dem Nichts gesellen sich plötzlich weitere Cheffahrer der Einkaufsgenossenschaft dazu und sprudelten in einem nicht endenden Wortschwall die herausragenden Eigenschaften des Vorstandsvorsitzenden hervor. „Heute Nacht wurde der Sohn des Chefs geboren, wie glücklich können wir uns schätzen solch einen Chef zu haben, alle Menschen, die ihm wohlgesonnen sind sollen sich nie wieder in kriegerischen Konflikten auseinandersetzen müssen.“

Als die Cheffahrer wie auf Wolken der Glückseligkeit davon zog, beschlossen die Werkschutzleute Richtung Schwelm in die Graslake zu ziehen. „Lasst uns ansehen, was die Fahrer berichteten, dass dort der Sohn vom Chef geboren worden sein soll!“

Sie liefen über den Kreisverkehr an der Dieselstrasse Richtung Graslake und konnten bald die alte Garage entdecken. Hinter dem verrotteten Tor fanden sie Jo und Mary und auch das Kind auf der alten verschmierten Rücksitzbank.

Als sie das Kind betrachtet hatten, erzählten Sie den frisch gebackenen Eltern von den Erzählungen der Cheffahrern, dass sich nun alle Menschen nie mehr streiten müssten und alle Anwesenden wunderten sich über die Prognosen der Fahrer.

Mary strahlte voller Glückseligkeit.

Der Werkschutz überreichten den Kindseltern noch einige Pampers nebst Febreze und ein paar Duftkerzen, dies sollten den Gestank von altem Hydrauliköl und den ölverschmierten Putzlappen überdecken. Daraufhin machten sich auf den Weg ins Wuppertal, um allen Menschen von der Geburt des Sohnes zu berichten. Vom großen Vorstandschef und dem was ihnen die Cheffahrer berichteten. Und das nun endlich im Tal und auf den Höhen Ruhe und Zufriedenheit herrschen mag.


Günter van Ongerbarmen am 22.12.10 10:14

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